Mit der Bahn, dem Bus und dem Fahrrad die Romantische Straße erkunden
Die meisten Reiseführer gehen davon aus, dass man ein Mietauto am Flughafen vorfindet, Schlüsselbund in der Hand. Sie malen ein Bild von mühelosem Fahren durch bayerische Wiesen, mit Abstechern zu Fachwerkgasthöfen, sobald sie ins Auge fallen. Die Romantische Straße in Deutschland mit der Bahn zu erkunden ist durchaus möglich – man muss sich nur darauf einlassen, dass der deutsche Regionalverkehr seinen eigenen, gemächlichen Rhythmus hat. Statt Staus auf der Autobahn genießt man ruhige Bahnsteige, lokale Busverbindungen und den Blick auf sanfte Weizenfelder vom Fahrradsattel aus.
Wer die Romantische Straße ohne eigenes Auto bereisen möchte, braucht etwas Geduld. Die Route wurde 1950 ins Leben gerufen, um nach dem Krieg wieder Touristen in den Süden Deutschlands zu locken – entsprechend sind die Verkehrsverbindungen kein durchgehender Rundkurs. Man wechselt zwischen schnellen Regionalzügen, Postbussen in ländlichen Gebieten und eigens angelegten Radwegen. So wird aus einer klassischen Sightseeing-Route eine echte Reise durchs Land, bei der die Fahrttage selbst Teil des Erlebnisses werden.
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Geht das wirklich? Die Romantische Straße in Deutschland mit der Bahn?
Kurz gesagt: ja, aber mit Einschränkungen. Das Rückgrat der Strecke bilden die Hauptbahnverbindungen, die im Norden in Würzburg beginnen, durch Augsburg im Süden führen und in Füssen direkt an den Alpen enden. Diese Abschnitte fahren nach dem regulären, pünktlichen Fahrplan der Deutschen Bahn. Man kann einen lauwarmen Filterkaffee in einem ruhigen Abteil genießen, während der Zug an den Weinbergen entlang des Mains vorbeizieht.
Probleme gibt es in der Mitte der Strecke. Die mittelalterlichen Kleinode Dinkelsbühl, Feuchtwangen und Nördlingen verloren ihre direkten Personenzugverbindungen schon vor Jahrzehnten. Rothenburg ob der Tauber liegt am Ende einer kurzen Stichstrecke und erfordert einen schnellen Umstieg in Steinach. Wer sich ausschließlich auf die großen Bahnlinien verlässt, muss oft weite Umwege nach Osten Richtung Nürnberg oder Westen nach Baden-Württemberg machen, um nur dreißig Kilometer nach Süden zu springen.
Damit die Route funktioniert, sollte man verschiedene Verkehrsmittel kombinieren: Züge für die langen Strecken, Regionalbusse für die Lücken im Schienennetz und ein Fahrrad, wenn man längere Zeit im Taubertal verweilen möchte. Unser Leitfaden zur Romantischen Straße mit Karte und Route zeigt diese ländlichen Lücken klar auf, sodass man erkennen kann, wo die Schienen enden, bevor man ein Ticket kauft.
| Streckenabschnitt | Verkehrsmittel | Fahrzeit | Praktische Hinweise |
|---|---|---|---|
| Würzburg nach Rothenburg | Regionalzug (RB/RE) | 1 Stunde 10 Minuten | Einfacher Umstieg am Bahnsteig 5 in Steinach. |
| Rothenburg nach Dinkelsbühl | Regionalbus 813 / 805 | 1 Stunde 25 Minuten | Fahrpläne müssen genau abgestimmt werden; sonntags selten. |
| Dinkelsbühl nach Nördlingen | Bus 501 | 45 Minuten | Direkter Landbus; malerische Fahrt über den Kraterrand. |
| Nördlingen nach Donauwörth | Regionalzug (RB) | 32 Minuten | Direkte Verbindung; Anschluss an die Augsburger Hauptstrecke. |
| Augsburg nach Füssen | Direkter Regionalzug (BRB) | 2 Stunden | Malereiche Dieselbahn durch die Voralpenlandschaft des Allgäus. |
Mit Regionaltickets der Deutschen Bahn lässt sich dieses Netz aus Verbindungen günstig nutzen. Statt Einzeltickets für jede Strecke zu kaufen, kann man sich mit günstigen Tageskarten durch die Regionen „nähen“.
- Deutschland-Ticket: €49 monatliches Abo für den Nahverkehr; gültig in Regionalzügen, Stadtbahnen und fast allen Landbussen dieser Strecke.
- Bayern-Ticket: €29 für eine Person plus €10 für jede weitere; unbegrenzte Fahrten mit Regionalzügen und -bussen in ganz Bayern nach 9:00 Uhr an Werktagen.
- Quer-durchs-Land-Ticket: Ideal, wenn man nahe Bad Mergentheim oder Creglingen die Landesgrenze nach Baden-Württemberg überquert.
Hinweis: Regionalbusse in kleineren Gebieten um Dinkelsbühl fahren teilweise nach Schulferienplänen. Der Service wird nach 15:00 Uhr in den Sommerferien und an Wochenenden stark reduziert. Vergewissern Sie sich daher am Vortag am Haltestellenfahrplan über die Abfahrtszeiten.
Von München nach Rothenburg mit der Bahn: Die Strecke im Detail
Fast jeder möchte seine Reise entlang der Romantischen Straße in Deutschland in München beginnen. Das macht Sinn, denn der internationale Flughafen bringt einen direkt in die bayerische Landeshauptstadt. Die meisten Reisenden nehmen an, dass es einen schnellen Expresszug direkt nach Rothenburg gibt. Den gibt es nicht.
Die Verbindung von München nach Rothenburg mit der Bahn erfordert zwei oder drei Umstiege, je nach Abfahrtszeit. Man steigt in einen ICE oder Regional-Express Richtung Norden ab München Hauptbahnhof nach Nürnberg oder Würzburg. Von dort geht es weiter mit einem Regionalzug, der einen in Steinach absetzt – einem winzigen, ländlichen Umsteigebahnhof mit nichts weiter als einem Automaten und einem windigen Wartehäuschen. In Steinach steigt man in den kurzen, zweiteiligen Schienenbus, der die letzten elf Kilometer nach Rothenburg zurücklegt.
Die gesamte Zugfahrt von München nach Rothenburg dauert etwa 2 Stunden und 40 Minuten, wenn die Umstiege gut getimt sind. Verpasst man ein fünfminütiges Zeitfenster in Steinach, muss man eine Stunde auf dem offenen Bahnsteig verbringen und Güterzügen zusehen, die vorbeiratternd. Es klingt mühsam, aber die Reise hat einen altmodischen Rhythmus, der einen sanft in das nördliche Franken einführt. Sobald man am Bahnhof Rothenburg ankommt, ist die historische Altstadt nur zwölf Minuten zu Fuß entfernt, durch das Galgentor-Tor.
Tipp: Auf der Strecke von München nach Steinach lohnt es sich, auf der linken Seite des Zuges in Fahrtrichtung zu sitzen. Man hat einen wunderschönen Blick auf die fränkischen Hügel und kleine Bauernhöfe, wenn man sich der Tauber-Region nähert.
Lücken schließen: Busoptionen auf der Romantischen Straße
Früher verkehrte ein Fernreisebus namens Europabus täglich auf der Strecke. Backpacker konnten in Frankfurt einsteigen und in Füssen aussteigen, ohne sich um Fahrpläne kümmern zu müssen. Dieser Service wurde reduziert, umbenannt und an private Anbieter übergeben, sodass unabhängige Reisende nun auf den lokalen öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind.
Wer das Busnetz der Romantischen Straße nutzen möchte, kommt um die regionalen Verkehrsverbünde nicht herum: VGN um Nürnberg und Rothenburg sowie VGI weiter südlich. Die Busse sind sauber, leise und werden von Einheimischen gefahren, die jede Kurve der Landstraßen kennen. Sie halten direkt vor den Ortsmauern, nicht an abgelegenen Autobahnabfahrten.
Die schwierigste Lücke ist Rothenburg nach Dinkelsbühl. Die Bahnstrecke zwischen beiden Städten ist seit Jahrzehnten ohne Personenverkehr. Man nimmt Bus 813 ab Rothenburgs Hauptbahnhof nach Dombühl und steigt dort in Bus 805 nach Dinkelsbühl um. Die Fahrer nehmen keine Karten für Einzeltickets an, daher sollte man Kleingeld oder kleine Euro-Scheine bereithalten, wenn man kein gültiges Abo oder eine Tageskarte hat. Wer wissen möchte, welche Halte wirklich lohnenswert sind, sollte vor der Buchung unserer Liste der schönsten Orte und Halte auf der Romantischen Straße konsultieren.
Gepäck kann in diesen Landbussen problematisch sein. Es handelt sich um normale Pendlerbusse, nicht um komfortable Fernreisebusse mit Stauraum unter dem Boden. Man muss den Rollkoffer die engen Stufen hinaufwuchten und im Bereich für Rollstühle unterbringen. Lieber leicht packen: Ein 40-Liter-Rucksack verwandelt diese ländlichen Umstiege von stressigen Hürden in einfache Sprünge.
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Fahrradfahren auf der Romantischen Straße
Wer die Landschaft am intensivsten erleben möchte, sollte sie auf zwei Rädern erkunden. Die Radroute der Romantischen Straße folgt dem D-Route 9, einem ausgeschilderten Weg von rund 460 Kilometern Länge, der vom Würzburger Residenzschloss bis nach Neuschwanstein führt. Die Strecke führt abseits der autoverstopften Straßen durch Flusstäler, sonnige Obstplantagen und stille Kiefernwälder.
Der nördliche Teil entlang des Taubertals ist besonders flach und einfach. Man radelt auf asphaltierten Flussufern durch Orte wie Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim. Winzer kleben an den Talhängen und bieten günstige Karaffen mit knackigem Silvaner-Wein in ihren saisonalen Straußwirtschaften an. Nach Rothenburg wird das Gelände hügeliger durch die Fränkische Höhe. Man muss auf die Anstiege zu den kleinen Bergdörfern schwitzen, doch die Abfahrten durch weite Weizenebenen entschädigen dafür.
In Bayern ist die Kombination aus Rad und Bahn üblich. Man kann zwei Tage hart in die Pedale treten, sich in den Hügeln bei Nördlingen müde fahren und das Rad dann einfach in einen Regionalzug stellen, um die flachen Industrievororte Augsburgs zu umgehen.
- Fahrradtickets: Für die Mitnahme eines Fahrrads in Regionalzügen benötigt man eine Fahrrad-Tageskarte Bayern (ca. €6,50).
- Platzangebot: Achten Sie auf das große Fahrradsymbol an den Zugtüren; diese Wagen haben klappbare Sitze mit Halteriemen für Ihr Rad.
- E-Bike-Ladestationen: Viele Ortszentren wie Dinkelsbühl und Donauwörth bieten mittlerweile kostenlose, abschließbare Ladestationen in der Nähe der Touristeninformationen an.
- Fahrradverleih: Einweg-Tourenverleih ist vor Ort schwierig zu organisieren; besser bei einem größeren Anbieter in Würzburg oder München mieten, der Abstellungen über Landesgrenzen hinweg erlaubt.
Zu Fuß die Romantische Straße zu gehen, ist eine ganz eigene Herausforderung. Der Fernwanderweg folgt den gleichen Tälern auf unbefestigten Pfaden und Waldwegen. Für die gesamte Strecke braucht man fast vier Wochen. Die meisten Wanderer wählen ein drei-tägiges Teilstück, etwa zwischen Würzburg und Rothenburg, und lassen ihr schweres Gepäck per lokalem Taxi vorab transportieren, während sie mit leichtem Tagesrucksack durch Weinberge wandern.
Kombiniert reisen: Ein praktisches Beispiel für eine 4-Tage-Tour
Man muss sich nicht auf ein einziges Verkehrsmittel festlegen. Eine viertägige Mischung aus Bahn, Bus und zu Fuß bietet die schönsten Abschnitte der Route, ohne dass man 400 Kilometer mit schwerem Gepäck im Radanhänger zurücklegen muss. Unser ausführlicher Reiseplan für die Romantische Straße beschreibt mehrtägige Routen detailliert, aber diese Kombination aus Bahn und Bus ist speziell auf die Fahrpläne des öffentlichen Nahverkehrs abgestimmt.
Beginnen Sie Ihren ersten Morgen in Würzburg. Steigen Sie hinauf zur Festung Marienberg, genießen Sie den Blick auf den Fluss und essen Sie schnell eine Bratwurst auf der alten Brücke. Nach dem Mittagessen nehmen Sie den Regionalzug nach Rothenburg über Steinach. Sie kommen rechtzeitig an, um durch das Kopfsteinpflaster zu schlendern, nachdem die großen Reisebusse für den Abend abgefahren sind.
Verbringen Sie den zweiten Tag mit dem Bus Richtung Süden nach Dinkelsbühl am Vormittag. Die mittelalterlichen Stadtmauern sind hier vollständig erhalten, mit zwanzig erhaltenen Türmen, die man vom Boden aus besichtigen kann. Probieren Sie ein Schäufele auf dem Weinmarkt in einem Gasthaus und nehmen Sie am späten Nachmittag den Bus nach Nördlingen. Übernachten Sie innerhalb des Meteoritenkraters, von dem aus Sie vor dem Frühstück den Turm der St.-Georgs-Kirche besteigen.
Von Nördlingen bringt Sie der Zug wieder weiter. Nehmen Sie die Regionalverbindung nach Donauwörth, steigen Sie dort in den Zug nach Augsburg um und verbringen Sie ein paar Stunden mit dem Besuch der Fuggerei, der ältesten Sozialsiedlung der Welt. Am späten Nachmittag besteigen Sie den Dieselzug, der an alpinen Seen vorbei nach Füssen schlängelt. Am vierten Tag wachen Sie im Schatten der Berge auf, nehmen den Ortsbus nach Hohenschwangau zum Ticketcenter und haben bereits Ihren Rückzugszug nach München für den Abend eingeplant.
Häufig gestellte Fragen zur Romantischen Straße mit der Bahn
Kann man die gesamte Romantische Straße nur mit der Bahn bereisen?
Nein, denn der mittlere Abschnitt zwischen Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl und Nördlingen hat keine durchgehende Personenzugverbindung. Man muss hier auf lokale Busse zurückgreifen, um etwa fünfzig Kilometer zu überbrücken, oder weite Umwege über größere Städte im Osten nehmen.
Gilt das Deutschland-Ticket auf allen Zügen der Romantischen Straße?
Ja, es deckt alle Regionalzüge (RB, RE und private Regionallinien wie BRB) sowie die lokalen Busse zwischen den Orten ab. Es gilt nicht für ICE- oder IC-Schnellzüge, daher sollte man bei der Suche in der DB-App die schnellen Züge abwählen.
Wie kommt man vom Bahnhof Füssen zum Schloss Neuschwanstein?
Die Ortsbusse 73 und 78 fahren alle fünfzehn bis zwanzig Minuten direkt ab den Bussteigen vor dem Bahnhof Füssen und bringen Sie in etwa zehn Minuten zum Ticketcenter Hohenschwangau. Die Fahrt ist inklusive, wenn man ein gültiges Bayern-Ticket oder Deutschland-Ticket besitzt.
Schnellübersicht
- Wichtige Knotenpunkte: Würzburg, Augsburg und Füssen haben direkte Zugverbindungen
- Mittlere Verbindung: Rothenburg nach Dinkelsbühl erfordert die Busse 813 und 805
- Beste Fahrkarte: Das Bayern-Ticket deckt Bahn und Bus in ganz Bayern nach 9:00 Uhr an Werktagen ab
- Radroute: Die D-Route 9 führt auf 460 km durch ausgeschilderten, asphaltierten Wegen
- München-Anbindung: München nach Rothenburg dauert etwa 2,5 Stunden mit zwei Zugumstiegen
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Meine Meinung
Wer auf der Romantischen Straße das Auto stehen lässt, wird auf die schönste Weise verlangsamt. Man verbringt stille Morgen damit, an kleinen Bahnstationen zu warten, während Katzen sich auf dem Kies sonnen und Kirchenglocken in der Ferne läuten. Packen Sie ein gutes Buch ein, speichern Sie den offline-Fahrplan Ihres Handys und lassen Sie sich vom Takt des Schienennetzes führen. So wird aus einer einfachen bayerischen Autofahrt eine echte Reise durch die Landschaft.
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